· Aktuelles

Bereit, sobald der Pieper geht

@ Innenministerium SH
Benjamin Koschnick mit Ministerin Magdalena Finke am bundesweiten Ehrentag im Mai 2026.
Stephan Isachsen, Kreisbereitschaftsleiter
Mehr als 350 Stunden sorgten die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der DRK-Bereitschaft für die medizinische Sicherheit der Besucherinnen und Besucher auf dem Wedeler Hafenfest 2026.

Großbrand, Busunglück, Evakuierung – wann immer im Kreis Pinneberg Hilfe in großem Stil vonnöten ist, stehen Benjamin Koschnick, Beauftragter für Katastrophenschutz, und Kreisbereitschaftsleiter Stephan Isachsen zur Stelle

Silvester, fünf Minuten nach Mitternacht. Während anderswo noch Sektgläser klirren, wirft Benjamin Koschnick einen Blick auf den Melder an seinem Gürtel. Alarm. Feier beendet, denn irgendwo braucht jemand Hilfe. So passiert das auch am Wochenende, früh morgens, nach Feierabend, denn an sich arbeitet Koschnick im Schichtdienst als Kunststoffformgeber. Seit mehr als 25 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz, heute als Beauftragter für den Katastrophenschutz im Kreisverband Pinneberg. 

In seiner Freizeit plant er also Einsätze, führt Gespräche mit Behördenvertretern, entscheidet mit, wie ein neuer Gerätewagen ausgestattet sein soll – ein rollendes Materiallager mit Zelten, Tragen, Sauerstoff und allem, was nötig ist, um innerhalb kurzer Zeit bis zu 25 Verletzte pro Stunde zu versorgen. 

Kommt es zu einer echten Katastrophe, landet Koschnick meist nicht direkt an der Einsatzstelle. Sein Platz ist der Führungsstab des Kreises. Dort laufen Informationen zusammen: Welche Kräfte werden wo gebraucht? Fünf Betreuungsgruppen, drei Sanitätsgruppen, Transport- und Logistikeinheiten – sie alle können innerhalb kurzer Zeit verteilt werden. 

Während er im Stab den Überblick behält, übernimmt ein anderer draußen die Regie: Stephan Isachsen. Als Kreisbereitschaftsleiter organisiert er die Einsätze vor Ort. Dazu kommen 230 Ehrenamtliche, die im Notfall da sind und wissen, was zu tun ist. Über sie sagt Koschnick: „Ohne unsere Helfer wären wir zwei gar nichts.“ 

Der Katastrophenschutz des DRK rückt zum Beispiel immer dann aus, wenn der Regelrettungsdienst Unterstützung braucht, sei es zur Patientenversorgung, für Krankenfahrten oder aber zur Versorgung der Einsatzkräfte vor Ort. Wenn es beispielsweise zu einem längeren Feuerwehreinsatz kommt, werden vor Ort Essen oder Getränke gebraucht. Wann immer deren Einsatz über Normalmaß hinausgeht, geht beim Katastrophenschutz der Pieper. „Wenn zum Beispiel ein Bus verunglückt mit vielen Menschen, werden wir alarmiert“, sagt Isachsen. „Falls, wie zuletzt in Wedel, eine Bombenräumung nötig ist, evakuieren wir die Bewohner, egal, ob stehend, liegend oder im Rollstuhl. Und als damals 1200 Flüchtlinge aus der Ukraine in unseren Kreis kamen, richteten wir eine Notunterkunft ein. Das Einsatzgebiet ist vielfältig.“ 

Hauptberuflich arbeitet Isachsen als Notfallsanitäter in der Kooperativen Regionalleitstelle West in Elmshorn, ist also auch fachlich bestens aufgestellt, wenn es heißt: „MANV R20“ – ein Massenanfall an Verletzten, 20 an der Zahl. Solche Notlagen und Unglücke mit vielen Personen sind zum Glück selten, zwischen zwei und zehn Einsätze im Jahr, aber wenn, muss jeder Ablauf sitzen. Deshalb besteht Katastrophenschutz erstaunlich oft aus Telefonaten, Besprechungen, Übungen. Was für Außenstehende bei einer Katastrophe nach improvisiertem Krisenmanagement aussieht, folgt in Wahrheit klaren Abläufen – und etlichen Stunden Vorbereitung. Rund 15 bis 25 Stunden pro Woche investieren Koschnick und Isachsen, damit genau das der Fall ist. 

Allerdings gelingt jeder Einsatz nur so gut, wie genügend Ehrenamtliche zum Helfen zur Verfügung stehen. Nachwuchs ist immer gefragt. Medizinische Vorkenntnisse sind dabei keine Voraussetzung, das Rote Kreuz im Kreisverband Pinneberg bildet Interessierte auch aus. Koschnick sagt: "Wir haben für jeden Willigen eine passende Jacke.“

Stephan Isachsen ist schon seit über 30 Jahren beim DRK, meldet sich auch ohne Katastrophenlage freiwillig für den Sanitätsdienst bei Hafen- oder Dorffesten, Fußballspielen, Konzerten. Für seinen Dauereinsatz hat er schon etliche DRK-Medaillen erhalten, sagt aber: "Wenn ich helfen kann, ist mir das eigentlich am meisten wert."

Die Bewohner im Kreis Pinneberg können sich beruhigt zurücklehnen: Welcher Ausnahmezustand auch eintritt, die Zwei vom Katastrophenschutz haben jetzt schon einen Plan dafür.

Sie wollen uns in den Bereitschaften unterstützen? Wenden Sie sich gern an unsere Ansprechpartnerin Maren Münster: 
Tel.: 04101-5003428
m.muenster(at)drk-kreis-pinneberg(dot)de